Der Rhein bei Karlsruhe

Am Oberrhein zwischen Karlsruhe und Speyer

Nicht immer floß der Rhein so geradlinig und war schiffbar. Nach Plänen des deutschen Ingenieurs Tulla wurde der Rhein im vorigen Jahrtausend begradigt. Die wirtschaftliche Infrastruktur veränderte sich, das Fischereihandwerk und die Goldwäscher starben aus. Dafür wurden weite Flächen der Oberrheinebene der Landwirtschaft zugänglich, zum Bauland gemacht und die Schifffahrt auf dem Rhein entwickelte sich zu einem wichtigen Erwerbszweig.

Rhein bei KA

Schauen wir mal zum Rhein heute, so wie der nicht weit von meinem Zuhause vorbeifließt. Wir sehen einen Frachter und im Hintergrund die Schlote der Karlsruher Raffinerie am Ölhafen sowie den Schwarzwald mit dem Berg Hornisgrinde.

Altrhein

Rechts und links vom Rhein gibt es zum Teil noch Wasserläufe die einst vom Rhein in Mäandern durchflossen wurden. Diese Wasserläufe werden heute mit dem Sammelbegriff Altrhein bezeichnet. Linksstehendes Bild zeigt einen solchen Altrhein - Wasserarm.

Verlandungszonen mit Rohr sind ein Biotop für zahlreiche Tiere, hauptsächlich Vögel wie Rohrsänger und viele Wasservogelarten. Aber auch den Eisvogel gibt es am Altrhein, er findet hier, an Steilwänden im Sediment gute Brutmöglichkeiten.

Neben dem Rhein und dem Altrhein gibt es eine weitere Gewässerart: Der Baggersee. Nördlich von Karlsruhe soll es angeblich weit über 100 Baggerseen geben. Für mich ist die genaue Zahl uninteressant. Ich freue mich, wenn ich es im Hochsommer nicht weit zu einem der Seen habe (zum Nächstgelegenen sind es 30 Minuten zu Fuß). Auch Schwäne und Kanadagänse sind am Baggersee gerne zuhause.

Schwäne am Baggersee Kanadagans

An Reptilien ist hier die Ringelnatter häufig und oft auch auf den Wegen anzutreffen. Ringelnattern sind nicht giftig, sie haben auch keine Schlangenaugen sondern runde Pupillen. Die hiesigen Ringelnattern sind fast schwarz. Ich selbst freue mich immer, wenn ich eine Ringelnatter sehe.

Direkt am Rhein gibt es hier einen Waldstreifen mit teilweise sehr altem Baumbestand. Dieser Waldstreifen war vor der Rheinbegradigung sehr viel breiter als heute, heute ist der Streifen etwa einen Kilometer breit und über anheimelnde Wege erschlossen die zum Wandern einladen.

Waldweg im Oberwald Apfelblüte

Verlassen wir nun den wunderschönen Wald und betreten die Rheinebene. Im Frühling, wenn die Kirsche blüht, ists hier wie im Paradies.

In der Niederung gibt es, als vierte Art von Gewässern, Kanäle die zur Wasserstandsregulierung dienen. Auch diese Kanäle sind Heimstätten für liebe Tierchen wie zum Beispiel die Sumpfohreule.

Der Pegel des Rheins unterliegt extremen Schwankungen. Infolge der Begradigung ist der Abfluss enorm, andererseits bewirken bereits geringe Niederschlagsmengen ein rasches Ansteigen des Wasserstandes weil das Einzugsgebiet sehr groß ist.

Rheinlinie

Vor der Begradigung war der Pegel relativ ausgeglichen, das heißt jedoch, er war insgesamt höher und große Teile der Ebene bei Hochwasser viel länger überflutet als heute. Wie immer glaubt der Mensch, die Naturgewalten bändigen zu können. Rheinbegradigung, Kanäle, Dämme, Schleusen und Polder - all dies sind die heutigen Werkzeuge die zum Bändigen des Vater Rheins gemacht sind. Gerade am Begriff Polder wird jedoch Eines deutlich: Ein Polder ist und bleibt ein Stück Land welches sich im natürlichen Überflutungsgebiet befindet. Und das bleibt nur solange trocken wie ein Fluß noch zwischen zwei Dämme passt.

Vor der Rheinbegradigung nach Tullas Plänen wurden auch einige Ortschaften aus der hochwassergefährdeten Zone ins Hinterland umgezogen. Daran erinnern einige Denkmale oder Obelisken, zum Beispiel erinnert ein Gedenkstein am Fischerheim in Alt Dettenheim daran, dass an der dortigen Stelle der Ortskern des heutigen Karlsdorf lag. Ebenso erinnert ein Obelisk am Rußheimer Altrein an den Umzug des vom Hochwasser zerstörten Knaudenheim nach dem heutigen Huttenheim, wofür sich ein Franz Christoph Freiherr von Hutten engagierte, was zum heutigen Ortsnamen führte.


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