Buchfart im Ilmtal bei Weimar

Erinnerungen an meine glückliche Kindheit in Buchfart

Meinem viel zu früh verstorbenen Vater gewidmet.

Der kleine Ort Buchfart liegt malerisch im mittleren Ilmtal eingebettet, da wo sich links und rechts der Ilm auch Felswände des Muschelkalkes erheben. Der Ortsname leitet sich einmal ab von Furt und zum anderen von den ausgedehnten Buchenwäldern welche den Ort umgeben. Aus Furt und Buchenwald wurde also der Ortsname Buchfart, ein Name wo fahrt ohne h geschrieben und so richtig ist.

Die folgenden zwei Bilder zeigen einmal den Ort Buchfart, meinen Heimatort wie er Anfang der 60er Jahre aussah und den Standort des Fotografen, die Balsamine, früher eine im Landkreis Weimar beliebte Ausflugsgaststätte. Das Anwesen ist heute (Stand 2002) verwaist und in einem sehr schlechten Zustand.

Der Blick von der Balsamine auf Buchfart im Tal wurde sehr oft schon verglichen mit dem Blick vom Trippstein auf Schwarzburg im Thüringer Wald. Dieser Vergleich ist durchaus realistisch, wenn auch die Höhenunterschiede im Ilmtal etwas geringer sind.

Buchfart von Oben Balsamine

Den eben verwendeten Blickwinkel zur Balsamine etwas erweitert zeigt die Felswand der Buchfarter Höhlen (Felsenburg) in der gesamten Breite, direkt auf der Felswand stehen uralte Buchen, die heute leider eingehen, dann folgt eine lichte Wiese und ganz oben findet sich die Balsamine. Der rechts abfallende Hang ist der Schloßberg um den sich Sagen ranken. Drei der schönsten Sagen kannst Du untenstehend nachlesen.

Buchfarter Höhlen

Drei Sagen über die Buchfarter Höhlen

Ein Müllerbursche aus Hetschburg wurde von einem Geist aufgefordert, am nächsten Abend zur Burg zu kommen, um einen Schatz zu heben. Nur sollte er seinen Paten, einen Hexenmeister, nicht mitbringen. Aber der Bursche, dem die Sache nicht geheuer war, brachte ihn dennoch mit. Der Geist erschien, gab dem Burschen statt des Goldschatzes ein paar kräftige Ohrfeigen und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Eine andere Sage erzählt von einem Maurer und einem kleinen Männlein. Ging da in einer Nacht ein Maurergeselle durch das Ilmtal seinem Heimatdorfe zu. Mit dem Mitternachtsglockenschlag der Turmuhr von Buchfart stand ein kleines Männlein neben ihm und forderte ihn auf, mit zur Felsenburg zu kommen. Dort mußte der Maurer auf Geheiß des Männleins eine Vertiefung im Felsen erweitern. Es war der Eingang zu einem unterirdischen Gang. Nach getaner Arbeit durfte er heimgehen, mußte aber versprechen, am nächsten Abend wiederzukommen und äußerste Verschwiegenheit zu bewahren. Das Männlein gab ihm eine Handvoll gelber Blätter für seine Frau mit. Auf dem Heimweg warf der Maurer verdrießlich die Blätter weg, nur eins blieb, ohne daß er es merkte, an seinem Rock hängen. Als die Frau am anderen Morgen am Rock ihres Mannes eine glänzende Goldmünze entdeckte, konnte dieser nicht länger schweigen und erzählte ihr von seinem nächtlichen Erlebnis. Am anderen Abend ging er wieder zur Felsenburg. Aber er fand den Eingang zur Höhle nicht mehr, auch das Männlein stellte sich nicht ein; und die weggeworfenen Blätter, nach denen er eifrig suchte, waren nicht zu finden.

Wieder eine andere Sage erzählt von dem Wunderfräulein des Berges. Wenn der Frühling kommt, reitet Trutina, das geheimnisvolle Bergwesen, auf einem weißen Hirsch mit goldenem Geweih zu Tal umringt und gefolgt von zarten Luftgestalten. Erst wenn die Blätter fallen, kehrt sie zur Burg zurück. Wer sie erschaut, den zieht es unweigerlich hinauf und hinein in die Felsen - auf Nimmerwiedersehen. Wohl warnt ein getreuer Eckard am Eingang der Burg jeden, der nach der Holdin strebt, aber seine Warnungen nützen nichts, ihr Zauber ist zu groß. Und keiner ist wiedergekommen, hinter dem sich die Pforten der Burg geschlossen haben.

Die Höhlenburg und die Holzbrücke

Die Buchfarter Höhlen waren für uns Kinder natürlich ein herrlicher Spielplatz:

Obwohl der Aufstieg zu den Höhlen nicht ganz ungefährlich und von den besorgten Eltern stets verboten war, meine Erinnerungen an diese Höhlen sind trotz dieser Verbote sehr reichhaltig ;-) Hier haben wir unsere ersten Zigaretten geraucht und stets ein richtiges Holzfeuer angemacht. An solchen Feuern haben wir dann an Holzspießen Knackwürste gegrillt, die, abwechselnd jeder von zuhause mal mitbrachte (aus der Hausschlachtung).

Eine weitere, auch heute noch interessante Sehenswürdigkeit in meinem Heimatort Buchfart ist die überdachte Holzbrücke:

Buchfarter Höhlen - Felsenburg Überdachte Holzbrücke

Seltene Kalkflora

Zu den seltenen Pflanzen der artenreichen Kalkflora auf Thüringer Muschelkalk im mittleren Ilmtal gehört das Rote Waldvöglein, eine Orchideenart.

Außer der unten im Bild links gezeigten Orchide gibt ein noch eine ganze Reihe weiterer seltenen Orchideenarten im Gebiet.

Das Rote Waldvöglein liebt einsame halbschattige Plätzchen im Fichtenwald und blüht im Sommer.

Für Naturliebhaber ist der Anblick einer blühenden Orchide immer eine ganz besondere Freude.

Rotes Waldvöglein Kuhschelle

Ebenfalls auf Muschelkalk verwurzelt ist die Kuhschelle, auch Kühchenschelle genannt, siehe Bild rechts. Der Schellenberg bei Buchfart trägt seinen Namen nach dieser sehr seltenen Pflanze.

Die Kuhschelle gehört zu den Frühblühern und ist auf durchlässigen Kalkboden von März bis spätestens Mitte April anzutreffen.

Seltene Avifauna

An dem schönen Flüßchen Ilm gibt es seltene Pflanzen und Tiere wie zum Beispiel den Eisvogel und die Wasseramsel:

Eisvogel Wasseramsel

Während der Eisvogel relativ unempfindlich gegenüber Umweltschäden ist und seine Nahrungsgrundlage, kleine Fische, teilweise vom Menschen gehegt wird (Fischzucht), ist die Wasseramsel ein direkter Indikator für ein sauberes Gewässer. Jahrzehntelang war die Wasseramsel in diesem Abschnitt der Ilm stark zurückgegangen, der Grund dafür war die starke Verschmutzung der Ilm durch Industrieabwässer. Ab der 90er Jahre konnte ich die Wasseramsel als Brutvogel wieder regelmäßig beobachten, das Nest ist sogar von der Holzbrücke aus zu sehen (naja, ich weiß wo es ist *g). Auf jeden Fall sieht der gübte Beobacher bereits nach maximal 10 Minuten Aufenthalt auf der Holzbrücke wenigstens einmal eine Wasseramsel und einen Eisvogel vorbeifliegen.

Bei meinem letzten Besuch, es war im Spätherbst, konnte ich mit viel Freude den Balzruf eines Uhus vernehmen, der nach vielen Jahren wieder im Revier ist. Ein alter Buchfarter hatte mir im vorigen Jahrtausend erzählt, dass es den Uhu bis zum 2. Weltkrieg gab, er brütete in den Felswänden der Buchfarter Höhlen. Auf lange Zeit war er verschwunden und so hoffe ich, dass es sich bei meiner Beobachtung um einen dem Standort treuen Uhu handelt, der im Revier zum Brutvogel wird.

Mit einem Blick zu meiner elterlichen Hütte und mit einem Blick zum Geburtshaus meines Vaters im Nachbardorf Vollersroda möchte ich meinen kleinen Ausflug in die Vergangenheit der 60er Jahre und in die alte Heimat beenden.

Elternhaus Meines Vaters Hus

Ruhe sanft, mein lieber Vater, in meinen Gedanken bin ich oft bei Dir. Und wenn ich mal wieder in Buchfart bin, bringe ich Dir Blumen mit...

Meines Vaters Grab in Buchfart

Viel zu früh bist Du gegangen lieber Vater. Stets hast Du Dich um die Familie gesorgt - ja, es ist das was ich immer wieder von Dir lernen musste.

In meinen Gedanken an eine glückliche Kindheit lebst Du weiter.

Du erscheinst mir oft im Traum: wenn ich Probleme habe, sehe ich Dich bei mir stehen und höre Dich sagen wie es weitergeht.

Und das Leben geht weiter.

In Liebe und Dankbarkeit.


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