Flug-Eigenschaften des Tunguska-Körpers

Mehr als 900 km legte der Tunguska-Körper in den dichtesten Schichten der Atmosphäre zurück. Dabei betrug die Geschwindigkeit nicht mehr als 500 m/s...

Ich beginne diesen Artikel mit dem Zitat einer Beobachtung die am 30. Juni 1908, etwa 300 km vom Epizentrum entfernt, gemacht wurde und komme am Ende des Artikels noch einmal darauf zurück:

Vor uns liegen die ersten Mitteilungen über das Tunguska-Phänomen. So schrieb z.B. S. Kuljosch in der Zeitung "Sibir" am 2. Juli 1908: "Am Morgen des 30. Juni beobachteten wir gegen 9.00 Uhr eine ungewöhnliche Naturerscheinung. In der Siedlung Nishne-Karelinsk (200 Werst nördlich von Kirensk) sahen Bauern im Nordwesten ziemlich hoch über dem Horizont irgendeinen grell (man konnte kaum hinsehen) in weiß und blau leuchtenden Körper, der sich 10 Minuten lang von oben nach unten bewegte. Der Körper sah aus wie eine Art "Röhre", d.h. er war zylindrisch geformt. Der Himmel war wolkenlos, nur knapp über dem Horizont, an der Seite, wo der leuchtende Körper gesichtet wurde, war eine kleine dunkle Wolke zu erkennen. Es war heiß und trocken. Als sich der Körper dem Boden (Wald) näherte, schien er zu 'zerfließen' und an seiner Stelle bildete sich eine gewaltige schwarze Rauch- und Staubwolke. Eine außerordentlich laute Explosion (kein Donner) war zu hören, wie von riesigen herabfallenden Steinen oder von einem Kanonenschuß. Alle Bauten kamen ins Wanken. Gleichzeitig begann sich aus der Wolke eine Flamme von undefinierbarer Form abzuheben.

Diese Beobachtung ist insofern bemerkenswert, weil der Tunguska - Körper (i.F. als TK bezeichnet) 10 Minuten lang bei seinem Flug über den Himmel beobachtet wurde!

Mir drängt sich der Vergleich mit dem Flugverhalten von Düsenjets regelrecht auf: Ein Jet, der in etwa 10.000 m Höhe fliegt, taucht am Horizont auf, bewegt sich scheinbar nach oben in Richtung Zenit. Nachdem er den Zenit passiert hat, oder sich zumindest in Zenitnähe befand, bewegt er sich dann vom Standpunkt des Beobachters wieder nach unten. Das ganze Schauspiel dauert auch einige Minuten!

... flog etwas wie ein Garbenbündel über den Himmel, nur größer, und hinten waren Funken erkennbar. Es flog hoch, aber tiefer als die Wolken. Es war nicht sehr grell, man konnte es mit bloßem Auge erkennen...

Manche Zeugen haben den TK auf dieser Route als sehr (gleißend) hell beschrieben. Nun, auch ein Jet kann dem irdischen Beobachter als gleißend hell erscheinen, nämlich dann wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel diesen beleuchtet: Es ist dann lediglich der Kondensstreifen zu sehen, der sich unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen bildet.

Aber bleiben wir einmal bei der relativ langen Zeit der Beobachtung, die alles Andere als auf astronomische Geschwindigkeiten hindeutet. Ein Jet bewegt sich mit ca. 800 km/h, das sind 0,2 km/s. In 10 Minuten legt ein Jet somit 120 km zurück. Je nach geografischen Gegebenheiten, was den Horizont betrifft, kann ein Jet also auch durchaus seine 10 Minuten brauchen um den Himmel zu überqueren. Aus obenstehender Beobachtung und dem bisher Gesagten heraus kann festgestellt werden, dass die Geschwindigkeit des TK zumindest in dieser Größenordnung gelegen haben muss; ja, diese Beobachtung lässt tatsächlich nicht viel Spielraum für Spekulationen: War der TK in Zenitnähe flog er sehr hoch, war er jedoch weit weg vom Zenit in Horizontnähe und wurde 10 Minuten lang gesehen, muss seine Geschwindigkeit noch um Einiges niedriger gewesen sein.

Er schwamm unter den Wolken ohne merkbar zu sinken...

Viele Zeitzeugen konnten die Form des TK als zylindrisch beschreiben. Sie sahen den TK und hörten die Schallwellen, die von ihm ausgingen. Auch hier haben wir wieder einen schlüssigen Beweis dafür, dass der TK keine kosmische Geschwindigkeit gehabt haben kann: Bewegt sich ein Körper sehr schnell, nehmen wir einmal dazu die von einigen Forschern angenommene Geschwindigkeit von > 10 km/s, so hätten die Zeitzeugen den Körper wohl kaum so genau beschreiben können und es wäre ein großer Zufall, wenn sie ihn gesehen und gehört hätten: Nachdem der Donner eines Überschallknalls gehört wird, ist ein solcher Flugkörper nämlich längst weg über alle Berge. Andererseits, ein Körper der bereits mit 10 km/s (36.000 km/h =~ 30 fache Schallgeschwindigkeit) fliegt, würde dem Beobachter wie ein Blitz am Himmel erscheinen und ist, wie schon gesagt, längst dem Blickfeld eines Beobachters entschwunden, wenn die Druckwelle des Überschallknalls unten ankommt.

Zuerst hörten wir ein lautes Donnern, so daß die Pferde stehen blieben. Wir sahen am Himmel etwas Schwarzes und dahinter einen Feuerschweif...

Ein paar Worte zum Überschallknall seien hier gesagt, ich konnte dieses Phänomen in den 70ern (zur Zeit des kalten Krieges) sehr oft beobachten: Kampfjets die mit Überschall über mein Heimatdorf geflogen sind haben sehr heftige Druckwellen erzeugt, die teilweise auch Fensterglas zum bersten brachten und Zerstörungen an Gebäuden anrichteten. Der Überschallknall ist ein sehr heftiger, scharf abgesetzter Knall, ähnlich dem eines Kanonenschusses. Dabei waren diese Düsenjäger gar nicht einmal so schnell: Wenn es einen Knall gab, sind wir als Kinder jedesmal rausgerannt und haben den Jäger immerhin noch sehen können, obwohl sich unser Dorf in einem engen Tal befand. Heute weiß ich, dass diese Kampfjets mit ca. 400 m/s unterwegs waren, also knapp über der Schallgeschwindigkeit geflogen sind. Welche Druckwellen ein Jet wohl erzeugen muss der mit 2 oder 3 oder gar 10 facher Schallgeschwindigkeit fliegt!?

wie ein Faß, das zu den Rändern hin enger, in der Mitte breiter und von grüner Farbe geflogen kam... mit einem zischenden Pfeifton...

Aus anderen Zeugenaussagen (siehe auch: Ein Augenzeugenbericht ...) steht ohne Zweifel fest, dass es einen Überschallknall beim Überflug des TK gegeben haben muss - aber es ist auch nicht auszuschließen, dass sich die Geschwindigkeit des TK geändert hat, also nicht konstant war. Letztendlich zeigt ja auch die Karte des umgebrochenen Waldes, dass die radiale Form des Waldbruches durch den Einfluss der ballistischen Welle verformt worden ist.

Über den Himmel zog ein Rauchstreifen, in dem Feuer aufblitzte...

Nun, Jets und Kondensstreifen waren im Jahre 1908 unbekannt. Aber immerhin ist es möglich, dass es sich bei dem beobachteten Rauchstreifen (oder auch Staubspur genannt) um einen Kondensstreifen gehandelt haben kann. Die Geräusche des Triebwerkes von einem heutigen Jet, der in 33.000 ft Höhe (~10.000 m) fliegt, sind auf jeden Fall auch am Boden auszumachen - aber nicht neben einer stark befahrenen Straße. Jedenfalls würde ich das Geräusch eines Düsenjägers oder einer Rakete als ein Zischendes bezeichnen.

Wir sahen, dass etwas wie Feuer hoch und schnell über den Himmel flog, wie ein großer Haufen mit Lärm wie Donner...

In der vorliegenden kurzen Studie habe ich das beobachtete Flugverhalten des TK mit denen von Kampfjets, bzw. strahlgetriebenen heutigen Flugkörpern verglichen. Mit oder ohne Betrachtung eines Überschalleffektes, der Vergleich ist durchaus legitim. Die damaligen Beobachtungen lassen auf jeden Fall keinen großen Spielraum für Spekulationen, was die Geschwindigkeit des TK anbelangt: Annahmen, dass diese jenseits von 10 km/s lag sind auf jeden Fall zu verwerfen. Die Fluggeschwindigkeit des TK lag durchaus in der Größenordnung derer von heutigen strahlgetriebenen Flugmaschinen, wobei auch ein Überschallflug stattgefunden haben muss, was die Beobachtungen der Schalleffekte belegen. Annahmen, dass die Geschwindigkeit beim Überflug als konstant anzusehen ist, sind meines Erachtens nach auf jeden Fall kritisch zu betrachten und zu prüfen.

Sichtweiten von 200 - 300 km sind in einem von kontinentalem Klima geprägten Gebiet nichts ungewöhnliches, natürlich kommt es auch dabei auf die Höhenlagen an: Entweder hat der Beobachter oder das Objekt eine Höhe, welche den Blick einwenig der Erdkrümmung folgen lassen kann. Zum Vergleich: Bei trockenem Wetter ist es möglich, von der Zugspitze aus (knapp 3.000 m ü. NN) den 400 km entfernten Thüringer Wald (knapp 1.000 m ü. NN) zu sehen. Also ist es auch möglich, vom irdischen Standpunkt aus ein Flugzeug zu beobachten was in 10.000 m Höhe von den Alpen bis zum Thüringer Wald fliegt.

Doch nun zurück zu der am Artikelanfang notierten Beobachtung:

Die Bauern in etwa 300 km Entfernung vom Explosionsstandort sahen den TK hoch über dem Horizont und verfolgten dessen Flug 10 Minuten lang. Es ergibt sich mit (300 km / 600 s) eine Geschwindigkeit von 0,5 km/s.

Und der beschriebene Knall? Es kann sich dabei nicht um die Explosionsdruckwelle handeln, denn diese kann nicht gleichzeitig mit der Beobachtung einer einer aufsteigenden Flamme einhergehen, die war 300 km weit weg und Schall ist bekanntlich viel langsamer als das Licht. Also bleibt nur noch eine Möglichkeit: Es war der Überschallknall des im Nordwesten in relativ kurzer Entfernung vorbeifliegenden Tunguska Körpers!

Die von Solotow (auch: Solotov), aufgrund physikalischer Gesetzmäßigkeiten der Flugbahn des TK und zusammen mit dem Explosionsmechanismus ermittelte Geschwindigkeit des TK selbst wird von ihm mit 0,5 ... 2 km/s angegeben, was durch den obenstehenden Augenzeugenbericht voll und ganz bestätigt ist.

Oft ist zu lesen, dass die vielen Augenzeugenberichte in sich sehr widersprüchlich sind. Das stimmt jedoch nur formal und ist eine sehr oberflächliche Feststellung. Ich bin mir sicher, dass eine gewissenhafte Analyse aller Augenzeugenberichte am Ende ein Bild ergibt was völlig frei von Widersprüchen ist.

Beispielsweise ist, aufgrund verschiedener Beobachtungen von mehreren Explosionen im Zusammenhang mit dem Tunguska Ereignis die Rede. Das Missverständnis wird klar, wenn in Betracht gezogen wird, dass im Jahr 1908 Überschalldruckwellen noch unbekannt waren.

Kondensstreifen eines Jets

Der TK ein kosmischer Körper? Namhafte Wissenschaftler (siehe auch Quellenangabe) der heutigen Zeit gehen davon aus. Dabei ist diese Annahme alles Andere als bewiesen und wenn ich mir die Zeitzeugenaussagen zum Flugverhalten so anschaue, besteht eigentlich nicht der geringste Anlass dazu anzunehmen, dass der TK aus dem Kosmos zu uns kam. Es ist noch nicht zu spät, alle dokumentierten Beobachtungen dazu auszuwerten, womit sich sicher auch Rückschlüsse auf Herkunft des TK ziehen lassen, der Flug des TK wurde auf einem sehr großen Territorium beobachtet. Es gibt Beobachtungen des TK - 900 km vom Epizentrum entfernt!

Bild links: Zerfließender Kondensstreifen eines Jets in 10.000 m Höhe. Die Flugbahn ging scheinbar von oben nach unten, tatsächlich ist dieser Jet jedoch parallel zur Erdoberfläche geflogen.

Wo liegt denn nun der Eintritt des TK in unsere Atmosphäre? Kam er tatsächlich aus dem Kosmos?

Augenzeugenberichte bisher weitgehend von Wissenschaftlern ignoriert

Felix Siegel lässt in seinem Buch (siehe Prolog) viele Augenzeugen zu Wort kommen. Wenn ich mir jedoch jede der Hypothesen zu diesem Ereignis, außer der Nuklearhypothese von Solotov, anschaue, so steht lediglich die Explosion im Mittelpunkt und die Aussagen der Augenzeugen bleiben völlig unbeachtet.

Tatsächlich beschreiben Augenzeugen des Tunguska - Ereignisses vom 30. Juni 1908 einen Körper, der vom Zeitpunkt seiner ersten Sichtung bis zum Zeitpunkt seiner Explosion fast 1.000 km in den untersten Schichten der Atmosphäre zurückgelegt hat, wobei sich auch dessen Durchschnittsgeschwindigkeit mit 500 m/s ziemlich genau bestimmen lässt. Fakt ist jedenfalls auch, dass bis heute kein kosmischer Körper bekannt ist, welcher solche Flugeigenschaften aufweist.

Quellenangabe: Siehe Prolog...


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