Geschichte einer Langdrahtantenne

Eine gute Antenne ersetzt eine Röhre, mein langer Draht von der Scheune zum Haus

Buchfart, Ende der 60er Jahre: Neben vielen Arbeiten, welche auf unserem Hof anfielen, blieb für mich nur wenig Zeit zum Basteln übrig. Mein Vater hatte jedoch immer Verständnis für solche Dinge und unterstützte mich, wo er nur konnte und so ergab sich folgende kleine Geschichte.

Es war in den Sommerferien 1969, das erstemal war ich in einem Ferienlager, wo ich ein fürchterliches Heimweh hatte. Von meinen Eltern bekam ich eine Postkarte, wo geschrieben stand: Lieber Rolf, Du fehlst uns bei der Heuernte. So war der Tag meiner Heimreise ein ganz besonderer Tag und sollte, trotz Regenwetter noch an Bedeutung gewinnen. Es roch nach Bohnerwachs, nach gutem Essen und mein Vater sagte mir, dass er eine Überraschng für mich hätte.

Wir stiefelten den Schlossberg hinauf und mein Vater zeigte mir einen Rolle Kupferdraht, zugewachsen im Gebüsch. Er sagte: Die nehmen wir mit, das wird Deine neue Antenne. Es kam noch besser, zuhause angekommen, bauten wir die Antenne gemeinsam auf. Mein Vater hatte sich auch überlegt, wie wir die Aufhängung elektrisch und mechanisch korrekt umsetzen werden. Gute zwanzig Meter Spannweite bekam diese Antenne, von der Scheune bis zum Wohnhaus gespannt. Das heiße Ende lag wohnhausseitig direkt unter dem Dach und hatte nur einen kurzen Weg bis zu meinem Zimmer.

Die Empfangsleistung dieser Antenne übertraf alle meine Erwartungen. Der Berliner Rundfunk, Sendestelle Königs-Wusterhausen in 350 km Entfernung, kam dermaßen reingeknallt, dass der Kopfhörer brüllte. Der Anschluss eines hochohmigen Lautsprechers ergab Zimmerlautstärke. Erst viele Jahre später, als ich mich ausführlicher mit dem Thema Antennen befasste, verstand ich, warum das so war: Der Sender des Berliner Rundfunk lag exakt ausgerichtet in der Hauptempfangsrichtung meiner Langdrahtantenne.

Für unsere Rauch- und Mehlschwalben war diese Langdrahtantenne viele Jahre ein stets willkommener Rastplatz.


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