UKW FM Stereo Empfänger selbst gebaut

Mein UKW-Radio im Eigenbau, die gesamte Schaltung selbst entworfen

FM_Stereo_Eigenbau

Bis weit in die 80er Jahre hinein gab es ungezählte Bauanleitungen in einschlägigen Fach- und Amateurzeitschrifen, sowie in Fachbüchern.

Ein sturer Nachbau in 1:1 kam für mich jedoch nie in Frage, ich wollte immer nur wissen, wie was funktioniert und in Zweifelsfällen zog ich weitere Literatur zu Rate.

Der Bau eines kompletten Stereo-Empfängers ist schon eine gewaltige Herausforderung. Ich kannte viele Bastelkollegen, die haben oft das Handtuch geworfen, wenn irgendwas nicht erwartungsgemäß funktionierte, was im Fall eines Nachbaus anhand einer Anleitung sehr oft der Fall war, insbesondere dann, wenn eine ausgedruckte Anleitung das notwendige Hintergrundwissen nicht vermittelte.

Stets jedoch waren Bau- oder Bastelanleitungen für mich eine Herausforderung. Immer mit dem Hintergedanken, bestimmte Dinge im Detail zweckmäßiger zu lösen.

Den gesamten Schaltplan für den abgebildeten FM-Empfänger habe ich nicht mehr in Papierform. Aus der Erinnerung heraus, werde ich jedoch dazu ein paar Notizen hier zum Besten geben.

Chassis

Ein Rahmen, zusammengeschraubt aus Teilen eines ausgedienten Metallbaukasten. Hier finden die einzelnen Baugruppen (Platinen, Leiterkarten) einen festen Platz bei gleichzeitiger mechanischer Stablilität. Senderskala und Kurbelwelle zur Abstimmung mit Schwungrad sind ebenfalls am Chassis befestigt, alles zusammen kann aus dem Gehäuse nach hinten rausgenommen werden und ist dann für den Lötkolben zugänglich.

UKW Eingangsteil, der Tuner

Ähnlich aufgebaut wie ein Konverter fürs Fernsehen, nur die Abstimmkreise sind anders dimensioniert. Der Eingangsteil ist durchstimmbar mit Kapazitätsdioden und setzt jeden abgestimmten Eingangskanal auf eine konstante Zwischenfrequenz von 10.7 MHz um.

Mein Kriterium für eine gute Eigangsempfindlichkeit: In Karl-Marx-Stadt Mitte-Nord (heute wieder Chemnitz) den Sender Torfhaus (NDR) rauschfrei reinzukriegen mit einer Zimmerantenne im ersten Stockwerk. Ich schätze mal, mehr als 10 µV an 70 Ω sind das nicht gewesen.

Zwischenfrequenz-Verstärker, ZF

Eigenbau, jedoch mit vorgefertigten ZF-Filtertöpfen und einem Schaltkreis. Letzterer hat auch den FM-Demodulator, heraus kommt das MPX-Signal (NF, Stereo, Niederfrequenz).

Automatic Frequence Control, AFC, PLL (Phase Locked Loop)

Der Quadratur-Demodulator liefert das MPX-Signal überlagert mit einem Gleichspannungsanteil (Tiefpass). Ich habe eine Brückenschaltung aufgesetzt, womit der Gleichspannungsanteil zur Nachstimmung des Kapazitätsdioden-Tuners dient. Das ist ein einfacher Phasen-Regelkreis (PLL), womit die automatische Frequenznachführung (AFC) realisiert ist. Praktisch konnte damit, nach einer Senderwahl, der Abstimmknopf über die gesamte Senderskala weggedreht werden, ohne dass der Sender wegläuft. Dieses erstklassige Funktionsverhalten erregte damals in Fachkreisen Aufsehen, eine derartig breite AFC hatte bis dahin noch keiner geschafft.

Stereo Decoder

Den habe ich nicht diskret, sondern mit einem Schaltkreis aufgebaut.

Niederfrequenz-Teil, Endverstärker

Teils mit Operationsverstärkern, teils diskret aufgebaut. Die Entstufe ist diskret und liefert 2 x 8 Watt Sinus-Dauerleistung. Den Klirrfaktor habe ich nie gemessen, er dürfte jedoch deutlich unter 0.5 Prozent liegen, also einmal im Bereich des Stereo-Dekoders und zusammen praktisch als Verzerrung nicht mehr hörbar.

Die Endstufe arbeitet im AB-Betrieb und geht bei großer Aussteuerung in den reinen B-Betrieb über. Für die Ruhestrom-Regelung im A-Betrieb habe ich eine eigene Lösung gefunden, womit sich der Ruhestrom an der Kennlinienschwelle der Endstufentransistoren von selbst einpegelt. Die Endstufen-Transistoren sind 4 Stück KU 607 vom Tschechischen Hersteller TESLA.

Der Ruhestrom-Regelkreis fühlt also nicht etwa die Temperatur der Endstufe sondern regelt als P-Regler direkt über den Ruhestrom, dafür habe ich je NF-Kanal jeweils einen Doppel-Operationsverstärker verbaut. Ich habe sehr viele, z.T. auch kommerzielle Lösungen für das Ruhestromproblem gesehen, die allesamt sehr umständlich und noch dazu störanfällig sind.

Netzteil

Da gibt es nicht viel zu sagen. Den Transformator habe ich selbst umgewickelt, damit die Sekundärspannungen und Stromstärken meinen Bedürfnissen entsprechen. Erwähnenswert vielleicht, dass ich für die Abstimmspannung einen Spannungsstablisisator, erhältlich als sog. Array eingesetzt habe und einen riesigen Elektrolyt-Kondensator, damit es nicht brummt.


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