Online Weihnachtsgeschichte 2013

Eine traurige Geschichte mit gutem Ausgang, die Handlung spielt in Tirol

Sepp schließt die Tür zu seiner Hütte und misst den vor ihm liegenden Weg, soweit er schauen kann, mit den Augen ab. Gut zwei Stunden liegen vor ihm, ohne Gepäck und bei besserem Wetter ein leichtes Unterfangen. Mehr schlecht als recht hat sich Sepp die letzten Jahre durch sein Leben geschlagen mit dem Schnitzen von Holzspielzeug, ein Stück schöner als das Andere. Spielzeug von dem er als Kind nur träumen konnte, nicht weil es das nicht gab zu seiner Zeit, nein seine Kindheit ließ ihm nicht viel Zeit zum Spielen. Das Schnitzerhandwerk hatte er von seinem Großvater gelernt und anfangs lief das auch für ihn ganz ordentlich.

Es gibt immer weniger Kinder in unserer Welt und jetzt im Winter findet selten ein Wanderer den Weg zu seiner kleinen Hütte, weitab von allen Straßen. Sepp muss hinunter in die Stadt, in der Hoffnung, was verkaufen zu können, zumal das Weihnachtsgeschäft in vollem Gange ist. Er dreht sich noch einmal um, der Fex aus Zirbenholz, geschnitzt von seinem Großvater, schaut ihm mit einem verschmitztem Lächeln hinterher. "Wenn ich zurück bin, mache ich es mir in der Hütte gemütlich..." murmelt Sepp vor sich hin und macht sich auf den Weg.

Am Marktflecken angekommen, baut Sepp seinen Stand auf. Er hat alles dabei, nur auf den Hocker hat er diesesmal verzichtet, denn es ist bitterkalt und so, seine Gedanken, werde er sich ohnehin etwas die Füße vertreten müssen. Passanten hasten eilig vorrüber, sogar Kinder sind dabei. Aber außer ein paar wenigen anerkennenden Blicken auf seine erstklassigen Arbeiten gab es an diesem Tag nichts zu gewinnen. Verbittert packte Sepp gegen Abend seinen Tragkorb und machte sich auf den beschwerlichen Weg bergan zu seiner Hütte.

Der Wind hatte inzwischen merklich zugenommen und ein heftiger Schneefall setzte ein. Es wurde immer schwieriger zu gehen, der Weg war unter den Schneemassen nicht mehr zu sehen und nach einer Stunde war es klar, dass die Lage ernst geworden ist. "Ach, ich werde meine Fexe alle im Kamin verheizen, die Wärme, die sie dann spenden ist mehr wert, als der Lohn, den ich dafür auf dem Markt bekommen kann!" sprach Sepp zu sich. In seiner Verzweiflung und wegen der Dunkelheit war er auch vom Wege abgekommen. Direkt vor sich machte Sepp einen Felsbrocken aus und setzte sich darauf um sich trotz der eisigen Kälte eine kleine Verschnaufpause zu gönnen.

Sepp schloss seine Augen und schlief sofort ein. Im Traum zog ein Teil seiner schönen Kindheit an ihm vorrüber. Seine Mutter stand vor ihm wie er sie in Erinnerung hatte, Bergbauernalte, braungebrannt von der Höhensonne der Alm, stets mit einem Lächeln im Gesicht. Er hörte seinen Vater rufen: "Seppi komm, die Sonne scheint, wir müssen raus, es gibt viel zu tun!". Tatsächlich war es plötzlich ganz warm geworden und Sepp riss sich aus dem Schlaf. Aber was war das? Eine herrliche Bergwiese lag vor ihm und die Sonne schien sehr hell.

Am leicht aufsteigenden Hang, da wo die Wiese an den Waldrand grenzt, sah Sepp eine Hütte. Ein alter Herr mit weißem Bart und schneeweißen Haaren trat heraus und gab Sepp zu verstehen, einzutreten. Das muss der liebe Gott sein, dachte Sepp, verwarf diesen Gedanken jedoch sofort, als er die blaue Schürze bemerkte, welche der Alte trug, und so wurde ihm gewiss, dass er nicht im Himmel sei, sondern in Tirol, seiner geliebten Heimat.

Ehrfürchtig trat Sepp in die Hütte ein, die ihm sehr vertraut vorkam. Nach einem guten Essen mit Brot und Speck konnte es sich Sepp nicht mehr länger verkneifen, den Alten zu fragen wer er sei. Der jedoch lächelte nachsichtig, so als hätte er die Frage erwartet und sagte: "Erkennst Du mich denn nicht, ich bin Dein Vater." Tatsächlich erkannte Sepp erst jetzt seinen Vater, den er schon viele Jahre nicht mehr gesehen hatte.

Und sein Vater sprach: "Ich sage Dir jetzt, wie es weiter geht. Du hast ein achtbares Handwerk erlernt, das ist gut so. Es ist nicht Deine Schuld, dass es manchmal nicht so läuft, wie gewünscht. Gehe Deinen Weg, er ist der Richtige und keiner soll Dich davon abbringen, diesen, Deinen Weg zu gehen!"

"Wir können ein Stück Weg zusammen gehen!" hörte Sepp, nunmehr ganz deutlich eine weitere, aber auch vertraute Stimme sagen, gleichzeitig spürte er eine eiskalte Hundeschnauze mitten im Gesicht. Ach, alles nur geträumt, aber ein Traum, aus dem es ein Erwachen gibt! Der Nachbar half ihm auf die Beine und sagte, dass es ein großes Glück sei, dass sein Hund ihn, gar nicht weit entfernt vom Weg, aufgespürt und laut gebellt hat.

"Ja", sagte Sepp, "ich habe das Glück, einen guten Nachbarn zu haben!". "Lasst uns in meine Hütte gehen und den Abend feiern, der mir heute ganz besonders heilig sein wird!"


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