Reisen in der DDR

Eine Reise nach Prag mit Schikanen

Das DDR-Regime demütigte viele Bürger, oft waren rechtschaffende Menschen der Willkür der Handlanger dieses Regimes ausgesetzt.

Heute gibt es im Osten wie im Westen Deutschlands Menschen, die darüber nichts oder nur wenig wissen.

Dieser kleine Artikel richtet sich gegen das Vergessen und gegen diejenigen, die heute immer noch den Sozialismus verherrlichen und behaupten sie konnten damals ohne Hindernisse reisen.

Im Spätsommer des Jahres 1981 entschlossen wir, frisch verheiratet, ein paar Tage in der Goldenen Stadt Prag zu verbringen. Die CSSR war damals, wie die DDR ein kommunistisch regiertes Land, sozialistisches Ausland sozusagen.

Personalausweis_Eintrag

Es fing damit an, DDR Geld gegen Tschechische Kronen zu tauschen. Hierbei galt es, Geduld zu haben, denn auch auf der Staatsbank der DDR gab es Schlangen zum Anstehen. Der umgetauschte Betrag wurde im Personalausweis eingetragen, siehe linksstehendes Bild.

Wir tauschten einfach für sechs Tage, obwohl es zu diesem Zeitpunkt nicht feststand, wie lange wir in Prag sein werden und ob dieses Geld reichen würde. Wir fuhren einfach los, ohne vorher ein Hotel gebucht zu haben. Warum auch nicht.

Die Bahnreise von Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) nach Prag dauert nicht lange, beeindruckend ist die Vorbeifahrt am Schloss Melnik, wo B. Smetana (Die Moldau) lebte und wirkte.

Am 18.09.81, es war ein Freitag, kamen wir per Bahn in Prag an und hatten noch keinen Plan wo wir übernachten könnten. Wir dachten uns, dass es doch wohl nicht so schwer sein würde, in Prag ein Hotelzimmer zu kriegen.

Wir gingen deshalb voller Hoffnung zur Stadinformation / Zimmervermittlung. Dort musterten die uns vom Haaransatz bis zur Schuhsohle und offenbarten uns, dass keine Zimmer mehr verfügbar wären.

Total deprimiert verließen wir das Gebäude mit der Alternative, entweder im Freien zu übernachten oder wieder nach Chemnitz zu fahren.

Plötzlich sprach uns eine nette Frau an, sie hatte es wohl mitbekommen, dass wir eine Übernachtung brauchten. Sie klang anfangs sehr zaghaft, eher ängstlich oder konspirativ, aber nach einer kurzen und klaren Preisverhandlung fuhren wir zu dritt mit dem Stadtbus hinaus in die Satellitenstadt Prag - Prozek.

In diesem Bus roch es ganz fürchterlich nach Knoblauch und Bier. Es sah aus wie ein Arbeiterbus, eben an einem Freitagabend, in dem Leute mitfuhren, die nach einer anstrengenden Woche einfach nur nach Hause wollten. Keiner sagte ein Wort, es war wie in einem Geisterbus. Die Fahrt ins Dunkle über holprige Straßen dauerte ewig.

In Prozek angekommen, wurden wir in eine geräumige Neubauwohnung geführt. Der Mann von der netten Frau, die uns fast ohne Unterhaltung bis dahin gebracht hatte, konnte gut Deutsch und erklärte uns, dass diese Wohnung über das Wochenende uns gehöre - sie führen jetzt hinaus auf ihre Datsche (Wochenendgrundstück).

Diese Wohnung kam für uns wie ein unheimlicher Luxus vor, es gab ein Bad wo warmes Wasser aus der Leitung kam und den ersten Frühstückstisch hatten unsere Gastgeber auch reichlich gut gedeckt.

Am gleichen Abend noch gingen wir in die kleine Kneipe an der Ecke, tranken ein wundervolles Tschechisches Bier und taten uns gütlich an Salamibroten - reichlich mit Knoblauch gewürzt. Es war laut, die Wirtin kam, sah, dass wir aus der DDR waren und tauschte mit uns im Laufe des späteren Abends ein kleines Taschengeld zu einem illegalen Kurs, nachdem sie uns verraten hat, das sie öfter nach Dresden fährt zu Einkaufen.

Das Wochenende verging wie im Flug, wir haben viel gesehen und einen Hauch von Freiheit kennengelernt, die Touristen, die in Prag unterwegs sind, kommen schließlich aus der ganzen Welt. Montagvormittag kamen unsere Gastgeber aus dem Wochenende zurück und wir quittierten die schöne Wohnung.

Unser Zug, zurück nach Dresden, fuhr am späten Nachmittag, wir hatten so ziemlich alles gesehen von Prag und so ergab es sich, dass wir an diesem Montag gleich zweimal Mittag gegessen haben.

Im Zug gab es Abteile, wir zogen die Schuhe aus, streckten unsere Füße auf die gegenüberliegenden Sitze, verriegelten die Tür zu unserem Abteil, schwelgten in Erinnerungen und nickten ein.

Kurz hinter der Grenze, wieder auf DDR - Gebiet rissen uns zwei Damen vom DDR - Zoll jählings aus dem Schlaf. Sie waren ein bischen stinkig, weil die Tür zum Abteil verschlossen und ich nicht schnell genug war, diese Tür aufzumachen.

Sie nahmen unsere Ausweise und stellten fest, dass wir Kronen für sechs Tage getauscht hatten, jedoch nur vier Tage in Prag gewesen sind. Wo die restlichen Kronen sind wollten sie von uns wissen. Ich sagte, dass wir alle Kronen für Unterkunft und Lebensmittel verbraucht hätten und deswegen auf der Rückreise wären.

Die beiden Zollbeamten wurden noch stinkiger und schauten sich im Abteil um, dabei bemerkten sie, dass die weißen Turnschuhe meiner Frau sehr neu aussahen. Die Frage, ob sie diese Schuhe in der CSSR gekauft habe, verneinte meine Frau.

Die Zollbeamten fingen nun an, unser Gepäck zu durchsuchen. Wir wurden richtig gefilzt, so wie Verbrecher etwa. In dem Moment, wo sie die Tasche mit dem böhmischen Gläsern, in Prag gekauft und schön eingepackt, aufmachten, wurden sie nach draußen gerufen. Völlig unbeachtet blieb mein neuer Fotokoffer, den ich in Prag gekauft hatte.

Sie gingen also nach Draußen mit unseren Ausweisen und kamen erst nach über einer Stunde wieder mit einem Hund. Irgendwann bekamen wir unsere Ausweise wieder und Stunden später gings auch weiter in Richtung Dresden. Als der Zug nach Mitternacht in Dresden ankam, waren natürlich alle Anschlußzüge weg.

Wir verbrachten die halbe Nacht auf einer Parkbank vor dem Dresdner Bahnhof, es war zwar nicht sehr kalt, aber an Schlaf war nicht zu denken. Unsere schönen Erinnerungen wurden überdeckt vom Verhalten der DDR - Zollbeamten, was mich sehr erniedrigte. Der kleine Mann sollte eben spüren wer die Macht hat und genauso hatten die auch gehandelt.

Für mich stand es damals fest: Nie wieder werden wir von der DDR kommend, in das sozialistische Ausland fahren, in die sogenannten Länder des RGW (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe). Zum Währungsumtausch gab es auch für die anderen Länder feste Tagessätze, die bei Reisen jeder Art unter Androhung von Strafe einzuhalten waren.

Ende 1989 bekamen DDR - Zollbeamte jede Menge neue Kollegen aus den Reihen der Stasi die aufgelöst wurde.

Im Sommer 1990 tauschten wir DM gegen Französische Franken und blieben solange in Frankreich wie unser Geld reichte.


Anbieter: nmq​rstx-18­@yahoo.de, die Seite verwendet funktionsbedingt einen Session-Cookie und ist Bestandteil meines nach modernen Aspekten in Perl entwickelten Frameworks.